Tanz trifft Architektur: 30 Jahre DanceCenter No1 im Glaspalast
Natalie Böck-Németh und István Németh haben aus ihrer Leidenschaft für Ballett ein vielseitiges Tanz- und Bewegungszentrum geschaffen – mitten im kulturellen Herz von Augsburg. Im Interview erzählen sie, wie der Glaspalast ihre Arbeit inspiriert, warum Tanz Lebensfreude bedeutet und weshalb es nie zu spät ist, damit anzufangen.
Das DanceCenter No1 ist seit 30 Jahren eine feste Institution in Augsburg. Wie hat sich Ihre Schule in dieser Zeit entwickelt und welche Rolle spielt dabei die historische Lage im Glaspalast?
Natalie Böck-Németh: In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich das DanceCenter No1 von einer klassischen Ballettschule zu einem vielseitigen Tanz- und Bewegungszentrum entwickelt. Heute bieten wir ein breites Spektrum – vom klassischen Ballett über Modern Dance, Jazz und Hip-Hop bis hin zu Pilates und Yoga. Die Lage im Glaspalast hat uns dabei sehr geprägt: Das historische und zugleich moderne Umfeld inspiriert uns täglich. Unsere Schülerinnen und Schüler spüren diese besondere Atmosphäre – sie verbindet Tradition mit Aufbruchsstimmung, genau wie wir.



Ihr Motto lautet etwa: „Wir leben Ballett“ – wie zeigt sich das in Ihrem Alltag? Welchen Stellenwert haben Freude und Motivation in Ihrer Arbeit?
István Németh: Für uns ist Ballett nicht nur Technik, sondern eine Lebenshaltung. „Wir leben Ballett“ bedeutet: Disziplin und Präzision, aber auch Freude, Ausdruck und persönliche Entfaltung. Im Alltag achten wir darauf, dass jede Stunde – egal ob in der Kinderklasse oder in der Erwachsenengruppe – von Motivation getragen ist. Wir feiern kleine Fortschritte genauso wie große Auftritte. So entsteht eine Atmosphäre, in der Lernen Freude macht.
Wie gestalten Sie Ihren Unterricht für verschiedene Altersgruppen – insbesondere den Einstieg für Kinder und Erwachsene?
Natalie Böck-Németh: Bei Kindern liegt unser Fokus auf spielerischem Lernen – wir verbinden Bewegung mit Geschichten und Bildern, sodass Tanz von Anfang an mit Spaß verknüpft ist. Erwachsene, die neu beginnen, nehmen wir behutsam mit: Wir bauen Grundlagen auf, ohne zu überfordern, und fördern Selbstvertrauen in den eigenen Körper. In beiden Fällen geht es uns darum, einen sicheren Raum zu schaffen, in dem sich jeder wohlfühlt.
Die räumliche Architektur des Glaspalastes – insbesondere die Glasfronten und das industrielle Ambiente – schafft eine besondere Atmosphäre. Wie nutzen Sie diese im Unterricht oder in der Vorstellung Ihres Studios?
István Németh: Die lichtdurchfluteten Räume und die hohen Decken verleihen unseren Kursen eine ganz eigene Energie. Das natürliche Licht fördert die Konzentration und macht jede Probe zu einem besonderen Erlebnis. Gleichzeitig ist das industrielle Ambiente ein starker visueller Rahmen – viele Besucherinnen und Besucher sind überrascht, wie gut klassische Ballettarbeit in diesem modernen Kontext wirkt. Für uns ist das ein Alleinstellungsmerkmal.


Marc Zelenka, Senior Asset Manager bei WALTER (links), gratuliert Natalie Böck-Németh und István Németh zum 30-jährigen Jubiläum im Glaspalast.
Ihre regelmäßigen Höhepunkte wie „Bewegte Visionen“ oder die „Lange Kunstnacht“ zeigen Ihren öffentlichen Auftritt. Welche Bedeutung haben öffentliche Events für Ihre Identität?
Natalie Böck-Németh: Diese Veranstaltungen sind für uns mehr als Schaufenster – sie sind ein Ausdruck unserer Seele. Hier können wir zeigen, wofür wir arbeiten, und unsere Schülerinnen und Schüler erleben die Magie des Auftritts. Solche Momente schaffen bleibende Erinnerungen und stärken das Gemeinschaftsgefühl – innerhalb des DanceCenters und darüber hinaus.
Frau Böck-Németh, Sie waren Primaballerina, Herr Németh, Solotänzer und Choreograf – wie fließen Ihre individuellen Karrieren in den heutigen Unterricht ein?
István Németh: Unsere Bühnenerfahrung gibt uns nicht nur technisches Wissen, sondern auch ein tiefes Verständnis für Ausdruck, Bühnenpräsenz und die emotionale Seite des Tanzes. Wir vermitteln nicht nur, wie eine Bewegung korrekt ausgeführt wird, sondern auch, wie sie „lebt“. Diese Verbindung aus Technik und Emotion geben wir an alle Altersgruppen weiter.
Welchen Rat haben Sie für Menschen, die heute spät anfangen möchten – z. B. Erwachsene ohne Tanzerfahrung?
Natalie Böck-Németh: Es ist nie zu spät, mit dem Tanzen anzufangen. Wichtig ist, sich von Vergleichen zu lösen und den eigenen Fortschritt zu schätzen. Tanz schenkt Beweglichkeit, Körperbewusstsein und Lebensfreude – unabhängig vom Alter. Der erste Schritt ins Studio ist oft der schwerste, aber auch der wichtigste.